Genesis

frank naumann

Vor wenigen Jahren hat mich der Film „Salz der Erde“ auf das Projekt Genesis des brasilianischen Photographen Sebastião Salgado aufmerksam gemacht. Jetzt sind die Bilder in Zürich zu sehen, die damals in vielen Ländern der Welt entstanden sind: Alle werden in schwarz weiss präsentiert, der Grossteil stellt Flora und Fauna dar, dazwischen einige Aufnahmen von Naturvölkern, die wie aus einer anderen Zeit stammen.

Die Ausstellung und das Projekt selber sind eindrücklich. Nicht nur vom Photographischen her. Für mich ein gutes Beispiel, wie einer mit seinen Möglichkeiten einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung leistet: neben den Bildern z.B. auch durch ein eigenes Aufforstungsprogramm in seinem Heimatland. Die Auseinandersetzung mit dem Gesehen bereichert die kritische Würdigung in der NZZ…

Links:

Martine Franck

fn26

Einer der bekannten Photographinnen des 20. Jahrhunderts ist gerade eine Ausstellung in Lausanne gewidmet: Martine Franck (1938 – 2012) entdeckte die Freude an der Kamera auf einer Reise anfangs der sechziger Jahre. Seither ist sie bis über Jahrzehnte mit dem Photoapparat unterwegs. Auf den ersten Blick wirken viele ihrer Aufnahmen wie Reise- oder Strassenphotographie. Bei genauerem Hinsehen lassen sich viele Details entdecken, die herausstreichen, wie sie sich mit den «Sachen» auseinandersetzte, die sie photographisch festhielt. In einem Zitat von ihr heisst es:
«Um Fotografin zu sein, braucht man ein gutes Auge, Kompositionsgespür und die Bereitschaft, sich für eine Sache einzusetzen.»

Ihr Werk zeigt Parallelen zu dem ihres Mannes, Henry Cartier-Bresson. Manche der Bilder lassen erkennen, dass sie auch gemeinsam photographisch unterwegs waren. Nach seinem Tod gründete sie die Fondation Henry Cartier-Bresson. Die Ausstellung ist bis 5.5.19 zu sehen.

Links: Ausstellung, Fondation Henry Cartier-Bresson

Wie als ein Kontrastprogramm sind parallel dazu Arbeiten des Photokünsterlers Vasantha Yogananthan zu sehen (1985*). Immer wieder reist der Franzose nach Indien um dort einem alten Mythos Ramayana nachzugehen und diesen photographisch neu zu erzählen. Vier der dazu geplanten sieben Bücher sind bereits erschienen: A Myth of Two Souls.

Links: Ausstellung, Homepage des Künstlers

Schweizer Winter

fn26

Gibt es Zufälle? Ein Tagesausflug führt ins winterlich verschneite Engadin.
Auf dem Tresen des Restaurants liegt der Hinweis zu einer Photoaustellung:
„Winter in Swiss photography“.

Im Forum Paracelsus am Rand von St. Moritz Bad lassen sich kurzentschlossen bis 21.2.19 Werke von Schweizer LichkünstlerInnen entdecken: Darunter sind mir bekannte Werke und Namen wie z.B. vom Polizeiphotographen Arnold Odermatt. Oder noch nicht Entdecktes wie die Bilder von Sabine Weiss. Auch jüngere Künstler wie Sandro Diener sind mit dabei.

Viele der Werke sind in schwarz-weiss. Sie betonen für mich die Kraft der winterlichen Landschaft. Die Reduktion schärft ihre Formen und Strukturen. Das gibt dem Dargestellten ein grosse Ausstrahlung. Eindrückliche Bildgestaltung ist kein Zufall.

Link zur Verkaufsausstellung der Bildhalle.

Mit Maos Unterschrift

Es heisst, dass Walter Bosshard der erste aus dem Westen war, der in einem abgelegenen Camp den damals noch weitgehend unbekannten Mao Zedong besuchen, photograhieren und filmen konnte. Mehr als einen der dort erstellten Photoabzüge liess er sich von Mao signieren.

Für viele im Westen unbekannt, begannen schon lange vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs in Europa militärische Konflikte in Fernost. Bosshard lebte in dieser Zeit in China und berichtete aus erster Hand mit Wort und Bild von den kriegerischen Spannungen zwischen China und Japan. Dies und mehr ist aktuell in der Fotostiftung Schweiz zu entdecken: die sehenswerte Ausstellung heisst: «Walter Bosshard / Robert Capa – Wettlauf um China» (bis 10.2.19)

Gleichzeitig feiert das Fotomuseum sein 25-jähriges Jubiläum.

Axel Hütte

Sein Name und Werk waren mir leider unbekannt. Umso schöner, seine Arbeiten hier in Burgdorf gemeinsam mit den ebenfalls grossformatigen Werken von Franz Gertsch zu sehen. Bis 26. 8.18 ist noch Gelegenheit, sich in Hüttes Arbeiten zu vertiefen, Titel der Ausstellung: „Unterwegs - in der Ferne“. Spannend ist, welche Wirkungen Axel Hütte mit den gewählten Belichtungs- und Produktionstechniken erzielt.

Link Ausstellung im Gertsch-Museum.

Wer nicht mehr Gelegenheit findet, nach Burgdorf zu kommen, findet mehr zu Axel Hütte z.B. bei Wikipedia.

Vier Ecken Projekt

Fred Ritchin, Direktor des International Center of Photography, stellte bereits 2004 am World Press Photo sein Four-Corners-Project vor. Mit diesem könnten Bildaufnahmen deutlicher beschrieben werden und damit besser erkannt werden, ob ein Bild Tatsachen beschreibt oder Meinung machen will. In der „postfotografischen Ära“ könnte das ein echter Mehrwert sein.

So ist die Idee, analog zu den vier Photoecken:

  1. Hintergrund des Dargestellten
  2. Kontext des Photos
  3. weiterführende Links
  4. Bildunterschriften sowie den Namen (und Ehrenkodex)

Das ausführliche Interview mit dem amerikanische Photographie-Experten Fred Ritchin findet sich in der NZZ vom 4.8.18

Link zum International Center of Photography

Sigrid Neubert

Eigentlich wollten wir in der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie in Berlin schwerpunktmässig die Ausstellung zu Guy Bourdin (Image Maker) und Angelo Marino (Another Story) besuchen. Die Entdeckung des Tages war allerdings Sigrid Neubert (geb. 1927). Leider war uns zuvor nicht einmal der Namen dieser Künstlerin bekannt, die zu den bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands gezählt wird. Mit der grosszügigen Werkschau hat sich das allerdings deutlich geändert. Neben den präzisen Architekturarbeiten, die in der Nachkriegszeit beginnen, kann man den Blick auch in ihre stimmungsvollen Naturaufnahmen vertiefen.

Noch bis 3. Juni 2018, Museum für Fotografie Berlin

Link Ausstellung

Link zu fotofeinkost

Frank Naumann

Irving Penn

Continental

Viele der Werke von Irving Penn (1917–2009) meint man zu kennen, auch wenn man sie (noch) nicht mit seinem Namen verbinden konnte. Die grossangelegte Präsentation in der C/O Berlin Foundation lässt das Gesamtwerk des Künstlers überblicken. Eindrücklich kann man seinen Stil studieren, ganz egal, ob er eine bekannte Schönheit für eine Titelstory oder eine namenlose Bäuerin aus den Anden fotografierte. In seinem Werk erhalten selbst Zigarettenstummel Portraitcharakter. Auch seinen legendären Hintergrund, ein ausgemusterten Theatervorhang, kann man bestaunen oder selbst ein improvisiertes Shooting zwischen zwei Wänden in einem spitzen Winkel machen, so wie es das in jungen Jahren inszenierte...

Ein Zitat von Irving Penn: „Ich hatte immer große Ehrfurcht vor der Kamera. Ich erkenne Sie als das an, was sie ist: Halb Stradivari, halb Skalpell.“

Im Amerika Haus Berlin bis 1. Juli 2018

Link zur Ausstellung

La beauté des lignes

Das New Yorker Ehepaar Sondra Gilman und Celso Gonzalez-Falla haben bisher mehr als 1500 Originale wichtiger Photographen des 20. Jahrhunderts und bis in die Gegenwart hinein gesammelt. Viele der Werke kennt man aus anderen Zusammenhängen, seien sie von Berenice Abbott, Robert Adams, Walker Evans, Vik Muniz, Man Ray oder Lee Friedlander. Originell an der Ausstellung "La beauté des lignes" ist, dass die Präsentation nicht chronologisch, sondern anhand von verschiedenen Aspekten dargestellt ist, wie z.B. Kurven oder Geraden. Das ermöglicht neue Bezüge und Vergleiche.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch der wiederum pfiffig gemacht Führer für Kinder (en français).

Noch bis 6. Mai 2018 in Lausanne; vgl. Photo: Die Sonne kam gerade hervor und gestaltete schon vor dem Eingang die Linien des Aufgangs mit Licht und Schatten.

Link zur Ausstellung

Islam im Europa

Im Museum der Kulturbrauerei Berlin ist noch bis zum 8.April 2018 die Auswahl des zenith-Fotopreises 2017 zu sehen. Ausgestellt sind Werke von Amateuren und Profis, die sich mit dem Thema „Islam im Europa“ auseinandersetzen. Offenbar waren auch Schulklassen zu Besuch, denn bei einigen Fotografien waren Bildbeobachtungen von Kindern vermerkt, bspw. von einer Sechsjährigen zum Titelbild, welches das Graffiti eines Paares zeigt – sie schwarz verhüllt, er im weissen T-Shirt –„mir gefällt das Foto, weil sie sich festhalten.“

Link zur Ausstellung

Link zu Zenith

photo von frank naumann