Um zu sehen, schliesse ich die Augen.
Notiz
Centro Português de Fotografia
In der Altstadt von Porto ist in einem ehemaligen Gefängnis das Fotomuseum untergebracht. Das Centro Português de Fotografia bietet verschiedene thematische Ausstellungen, auch zum Thema Fotografie und Strafvollzug. Ergänzt wird das Ganze mit einer Zeitreise durch die technische Entwicklung seit Daguerre.
Sehr sehenswert und dazu noch gratis.
Antiga Cadeia e Tribunal da Relação do Porto, Largo Amor de Perdição, Porto, Portugal
mehr auf: cpf.pt
Auf nach Winterthur
Das Fotomuseum und die Fotostiftung bieten gleich zwei gute Gründe für eine Visite in «Winti». Zum einen kann man in die Schweizer Fotografie des 19. Jahrhunderts eintauchen. Eindrücklich, wie sich das neue Medium innert weniger Jahrzehnte entwickelte. Zum Staunen sind die Abbildungsleistungen und die Experimentierfreude in jener Epoche. Neben den technischen Entwicklungen kann man mit dem Abgebildeten in die Welt vor ca. 150 Jahren eintauchen. Auch das gibt manch guten Grund zum Staunen.
Einen ganz anderen Fokus hat die Ausstellung Claudia Andujar mit dem Titel: Der Überlebenskampf der Yanomami. Sie führt in den Norden Brasiliens und zeigt die Begegnung und die Freundschaft der Fotografin Andujar (geb. 1931) mit dem indigenen Volk der Yanomami und deren Bedrohung durch Landrodung, Bergbau Krankheit und anderes mehr…
Nach der Natur: Schweizer Fotografie im 19. Jahrhundert, bis 30.01.22
Claudia Andujar: Der Überlebenskampf der Yanomami, bis 13.02.22
Endlich wieder ins Museum
Wenn du in der nächsten Zeit zwischen Vevey und Martigny unterwegs bist, gibt es gleich drei sehenswerte Ausstellungen:
Vevey, unweit vom Bahnhof: Gleich gegenüber der Feuerwehr sind im Museum Jenisch zwei Alte Meister zu entdecken. Ein Westschweizer Chirurg namens Decker sammelte Drucke von Albrecht Dürer und Rembrandt van Rijn. Es ist sehr eindrücklich, sich in deren Werke mit ihrer Detailfülle vertiefen zu können.
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Vevey, am Marktplatz: In der Sammlung des Cameramuseums kann man auch beim x-ten Besuch immer wieder etwas Neues finden. Und die Sonderausstellung gibt einen Einblick in die Welt der Infrarotaufnahmen. Sogar die Masken bleiben deutlich sichtbar, ganz Corona konform…
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Martigny: die Fondation Gianadda ehrt den Photographen Michel Darbellay (1934-2014), der das Wallis, die Landschaften und Menschen seiner Heimat, mit gekonntem Blick festgehalten hat. Da er auch Bergführer war oder sich auf einem Stuhl unter einem Helikopter festschnallen liess, gelangen ihm sehenswerte Aufnahmen.
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Schwarzenbach und Klee unterwegs
Aktuelle Ausstellung in Bern
Unterwegs sein beeinflusst unser Sehen. Viele unsere Bilder entstehen auf Reisen. Seien sie gemalt wie bei Paul Klee oder durch die Linse auf Film gebannt wie bei Annemarie Schwarzenbach. Die Doppelausstellung ist einen Besuch wert. Sie zeigt Entwicklungslinien auf und gewährt bei den Photographien einen Blick in die dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts, als Annemarie Schwarzenbach mit dem Auto von der Schweiz aus Reisen bis nach Vorder- und Zentralasien realisierte!
Link: Ausstellung
Explosion des Sehens
Im Musée de l’Elysée ist aktuell die Ausstellung „Explosion des Sehens“ zu entdecken: Zu sehen gibt es Arbeiten von René Burri, dem wichtigen Schweizer Photographen des 20. Jahrhunderts (1933 – 2014). Im ausgestellten Querschnitt kann man alle Phasen seines kreativen Schaffens erkunden. Neben den eigentlichen Photographien gibt es auch Videosequenzen, Einladungen, Presseausweise, Weinkisten, die als Archiv dienten, und manches mehr…
Hilfreich bei dieser Fülle ist die Gliederung der Ausstellung in 11 Kapitel. Bspw. wird das Thema Bildaufbau im Bereich „Strukturen“ dargestellt, vgl. Photo unten.
Diese und andere Präsentationen orientieren sich an einem andern, mir bisher unbekannten Kapitel aus Burris Leben: „Collagen“. Scheinbar gestaltete der Künstler immer wieder gerne Collagen, die es übrigens auch zu sehen gibt. Das ist eine gelungene Gestaltungsidee, doch gleichzeitig der einzige kleine Kritikpunkt an dieser sehenswerten Werkschau: Denn zahlreiche Exponate sind recht klein und eng präsentiert.
Als Extra gibt es für die Ausstellung ein gut gemachtes Booklet in drei Sprachen, auch auf deutsch: „Explosion des Sehens“.
Noch bis 1. Juni 20 im Musée de l’Elysé, Lausanne, Eintritt gratis, Link
Hinweis: es ist eine der letzten Ausstellungen im Musée de l’Elysé, bevor es für ca. 1 Jahr schliesst und dann direkt beim Bahnhof wieder öffnet. Auch die aktuelle Baustelle und das bereits eröffnete MCBA sind einen Besuch wert, siehe Link
Photographisches Berlin
Auf Schritt und Tritt begegnen mir in Berlin Photos: Sie sind Teil der Erinnerungskultur, die die Stadt zu einem bleibenden Mahnmal macht. Erstaunlich, wie viele Touristen, gerade auch junge, die den Kalten Krieg nur noch aus der Geschichte kennen, sich der ehemaligen Mauer entlang auf Entdeckungsreise machen.
Neben all den geschichtlichen Zeugnissen auf Plätze und u-Bahnstationen gibt es über den Jahreswechsel zahlreiche Ausstellungen zu entdecken:
Bspw. die Autodidaktin Helga Paris (1938*) ist in der Akademie der Künste zu sehen. Auch in Ihrem Werk schwingt Zeitgeschichte mit, viele ihrer Aufnahmen sind jenseits der Mauer im Osten entstanden.
In der Berlinischen Galerie sehe ich zum ersten Mal die ausdruckstarken Arbeiten von Fritz Eschen (1900-1964). Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde sein Arbeitsspielraum ab 1934 stark eingeschränkt.
Im Museum für Fotografie schliesslich gibt es immer viel zu entdecken: Dieses Mal sind es neben mir unbekannten Werken von Helmut Newton (Ballet de Monte Carlo) die Arbeiten von Ludwig Windstosser und Barbara Probst, die mich besonders ansprechen. Der Schwerpunkt der Ausstellung des Nachkriegsphotographen Windstosser (1921-1983) liegt auf der westdeutschen Wirtschaftswunderzeit. Homo Faber würde sich in ihnen wiederfinden.
Barbara Probst (1964*) Arbeiten sind Teil der Ausstellung Body Performance. In ihnen wird das Photographieren selber zum Objekt, in dem man gleichzeitig „das Bild“ aus verschiedenen Perspektiven sehen kann.
Nicht zu vergessen: die eindrücklichen Werke, die zu verschiedenen Kategorien im Willy-Brandt-Haus im Rahmen der Sony World Photography Awards 2019 zu sehen sind.
Links:
Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek
Die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek macht sich zur Aufgabe, analoge Photographien, Daguerreotypien, Negative und Diapositive zu sammeln. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Orts- und Landschaftsansichten, Porträts und Spezialthemen zur Schweiz seit dem 19. Jahrhundert.
Erstaunlich, was es da alles zu entdecken gäbe…
Ein Teil der Sammlung ist online zu sichten.
Ein Beispiel Niklaus Strauss
vgl. ausserdem Spectrum – Photography in Switzerland
Ein gutes Foto ist ein Foto
Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als ein Sekunde schaut.